Kapitel 2

Heather Nova: Let’s Sail Away

Das exzentrische Leben einer Außenseiterin auf der Suche nach ihrem Hippie-Traum
von Manhard Schlifni

Glow Stars, Blow und der Durchbruch mit Oyster

Glowstars
Am 17.05.1993 wird das zunächst auf 5000 Stück limitierte Album „Glow Stars“ unter gerändertem Künstlernamen Nova, der von ihrer indianischen Urgroßmutter stammt, auf dem von Youth eigenen Butterfly Label veröffentlicht (Vertrieb: Big Life). (An dieser Stelle sei bemerkt, dass der Name „Nova“ keinen Zusammenhang mit dem in der modernen Astronomie definierten „Nova“-Stern hat, der durch einen plötzlichen Helligkeitsausbruch – bis zu der 100 000fachen Zunahme des ursprünglichen Helligkeitswertes – charakterisiert wird). Auf Glow-Stars befindet sich eine Kompilierung von Demos, die alle auf einem Acht-Spur-Tonbandgerät mit Produktionskosten von £250 aufgenommen wurden. Durch diese Veröffentlichung gewinnt Heather Medieninteresse und gibt fortan Konzerte als Support von „Bob Mould“, „Violent Femmes“ und den „Cranberries“.

Blow
Positive Kritiken in mehreren Musikmagazinen führen zur Veröffentlichung der EP „Spirit in You“ (05.04.1993, Butterfly, Big Life), und im Oktober des gleichen Jahres folgt das Anfang 1993 im „Mean Fiddler“ und „Powerhouse“ mitgeschnittene Live-Album „Blow“ (18.10.1993, Butterfly, Big Life), von dem über 40000 Stück in Europa abgesetzt werden können.
Der auf „Blow“ enthaltene Track „Sugar“ lässt schon früh ihre exzellenten, energie-geladenen musikalischen Potentiale erkennen. Dass „Sugar“ auch eine besondere persönliche Bedeutung für Heather hat, zeigt sich darin, dass sie Konzerte auch noch knapp 10 Jahre später zeitweise mit dieser Schlussnummer beendet.Während der Blow-Tour spielt sie in folgender Besetzung: David Ayers (Guitars), Cocoa (Solid, Bass), Maz De Chastelaine (Cello, guitar), Nadia Lanman (Cello), Dean Mc Cormick (Drums, Percussion), Richard Thair (Drums).

Oyster
Internationale Bekanntheit erreicht Heather aber erst mit dem Studio-Album „Oyster“ (19.10.1994, Rough Trade, Butterfly, Sony Work), wovon mehr als 700 000 Kopien verkauft werden können. Besonders die davon ausgekoppelte Single „Walk This World“ (19.10.1994, Rough Trade, Butterfly, Sony Work), die von europäischen Radiostationen stark „gepuscht“ wird, stellt eine entscheide Etappe auf dem Weg zum internationalen Durchbruch dar. Das emotionell tiefgehende Oyster-Album enthält qualitativ hochwertige „Folk-Rock-Lieder“ mit eher negativen Stimmungen, die im Zeichen ihrer Therapie zur Bewältigung von Traurigkeit stehen. In „Walking Higher“ verarbeitet Heather den plötzlichen Tod eines Freundes und nicht weniger zentral erscheint die Geschichte in „Blue Black“. Heather Nova schildert hier freizügig eine Beziehung zu einem Mann, den sie offensichtlich sehr geliebt hat. Trotzdem ging dieser mit Heather’s Schwester fremd. Das Album löst insgesamt einen Heilungsprozess hinsichtlich ihrer depressiven Zustände aus. Zu den Highlights des Albums zählen u.a. Maybe an Angel (14.08.1995, Rough Trade) und Truth and Bone (26.02.1996, Rough Trade, Butterfly, Sony Work) die als weitere Single- Auskoppelungen veröffentlicht werden sowie das Stück „Island“ – eine Widmung an Nicole Brown Simpson, der ermordeten Frau von O.J. Simpson. Außerdem erscheint am 25.04.1995 die EP „Live from the Milkyway“ (Big Cat, Sony Work).

Im Zuge einer zweijährigen weltweiten Tournee (1995-1996) gibt Heather um die 300 Konzerte, einerseits mit Band anderseits Unplugged im Duo mit ihrer Cellistin Nadia Lanman, tourt kurzzeitig als Support Act auch mit Neil Young und Pearl Jam. Besonders erfolgreich läuft die Tour in Großbritannien, Deutschland, Frankreich und Japan. Während der Oyster-Tour spielt sie mit folgender Band: David Ayers (Guitar), Christian Hayes (Guitar), Ali Friend (Bass), Nadia Lanman (Cello), Dean Mc Cormick (Drums), Gareth Thomas (Bass), Bob Thompson (Drums).

Kapitel 3: Siren bis Wonderlust

© 2002 by Manhard Schlifni

Schreibe einen Kommentar