Heather Nova (2002)

Am 14.06.2002 hat MTV auf dem Essener Campus für unsere Webseite heathernova.de, für das Hochschulmagazin Aud!max sowie für das Stadtmagazin Colibri ein Exklusiv-Interview mit Heather Nova arrangiert. Was wir mit Heather in einer angenehm lockeren Atmosphäre an einem Kneipentisch plauderten, könnt ihr hier nachlesen.

Nach dem Soundcheck erschien Heather um ca. 15:30 leger gekleidet (in Jeans und oliv-grünem Hemd) zum Interview. Wie immer in Begleitung ihres Tour-Managers. Nadim vom MTV-Team empfing Heather und führte sie zu einer ins rechte Licht gerückten Bank und bat sie, Platz zu nehmen. Als wir unsere Stühle ein wenig vorrückten, stand Heather auf und schlug vor, dass wir uns doch zusammen an den gemütlichen Kneipentisch setzen sollten. Nichts schöner als das! Heather nahm die Kopfposition ein (ich sass direkt neben ihr!) und bat uns, dass wir uns kurz vorstellen sollten. Nachdem sich die beiden Mitarbeiterinnen der Colibri vorgestellt hatten, schaltete Frank von der Aud!max den Recorder ein. Leider ist die Aufnahmequaliät nicht sonderlich gut, so dass wir bei der Übersetzung einige Schwierigkeiten hatten.

Heinz: Ich bin Heinz von der ..
Heather: Richtig. Hi, haben wir nicht schon mal ein Interview gemacht?-

Heinz: Ja, aber es war nur ein E-Mail-Interview!
Heather: Haha, hast du noch mehr Fragen?

Heinz: Oh, einige. Und ich möchte dir heute eine Kopie des bootlegs geben, wie ich es dir versprochen habe. (Anmerkung: Ich habe Heather eine Woche vorher in Gelsenkirchen das Cover von „Beautiful Angel“ zum Signieren gegeben. Sie kannte diese CD noch nicht und war sehr amüsiert. Dann habe ich ihr versprochen, dass ich ihr eine Kopie dieser CD machen werde.)
Heather: Oh, danke.

Frank: Ich bin Frank von einer Hochschulzeitung, die Audimax heisst und vielleicht sind die Studenten, die unsere Zeitung lesen, an deiner Musik interessiert (und deswegen bin ich hier).
Heather: Alles klar!

Frank: Eine Frage. Du hast bald Geburtstag.
Heather: mhm

Frank: Ja, ich auch. Ich habe gehört, dass du in deiner Jugend etwas schüchtern warst. Ich auch. Ich bin Krebs und deswegen frage ich dich: glaubst du, dass der Charakter vom Geburtsdatum abhängig ist?
Heather: Ja, das tue ich. Ich habe festgestellt, dass die Leute häufig zu ihren Horoskopen passen.

Frank: Manchmal.
Heather: Ja, manchmal. Manchmal kann es nützlich für dich sein, zu sehen, was in den Horoskopen so drin steht.

Frank: Das man vorausschaut, um es zu überwinden.
Heather: Nach allem merkst du, dass es wichtiger ist zu sagen, dass man die Schüchterheit überwinden muss.

Frank: Sicherlich!
Heather: Das war, was ich fühlte.

Frank: Ja, das habe ich auch gefühlt. Denn, du musst das Gefühl lebendig halten, zusammen mit anderen Leuten.
Heather: Ja, (möglicherweise).

Frank: Eine weitere Frage. In einem Song singst du, dass du eine Mutter und eine Tochter wärst, .. bist du? Ich weiss nicht, ob du überhaupt Kinder hast.
Heather: Nein, ich bin noch keine Mutter. (lacht)

Frank: (Du bist noch keine Mutter). Ist es die Möglichkeit im Leben der Frauen, worüber du singst? Ist das richitg?
Heather: Was?
Frank: Ist eine Möglichkeit, die eine Frau in ihrem Leben hat?
Heather: Also der Song, von dem du redest, ist „I’m the Girl“.

Frank: Ja.
Heather: Er handelt wirklich davon, wie wir…wie soll ich sagen?…wie wir eine Verbindung zu jedem haben, der vorher war. Ich rede über Frauen, also aus der Sicht von Frauen. Weisst du, du hast eine Verbindung zu deiner Großmutter, Urgroßmutter, du hast diese geteilten Emotionen, durch welche wir alle gegangen sind. Und irgendwie…kannst du dich enger zu deinen Vorfahren verbunden fühlen. Als ob wir alle durch ähnliche Dinge gegangen sind, sogar wenn es verschiedene Umstände waren.

Frank: Ihr Frauen haltet die Generationen zusammen, ich verstehe. Die Mütter lehren die Kinder; die Kinder (lehren)….
Heather: Oh ja!

Frank: Ja hoffentlich ..(beide lachen). Nicht in den Großstädten…
Heather: Ja, aber ich denke, es ist wichtig die Verbindung zu allen aufrechtzuerhalten…, um zu erkennen, dass du zum Leben verbunden bist.

Frank: Ich hoffe, jeder erkennt das.
Heather: Ich weiss nicht.

Frank: Ja, ich hoffe es. Manchmal triffst du sicher andere Leute. Deine Songs werden von Jahr zu Jahr härter.
Heather: Härter?

Frank: Härter – die Songs haben mehr Energie, mehr Power. Ich mag das sehr! Geht das weiter so, oder?
Heather: Mhm. Ich weiss nicht, warum du sagst, es wird härter. Ich würde eher sagen, auf der neuen CD, und gerade auf dieser neuen CD, wollte ich, dass sich die Songs und die Arrangements offener anfühlen, weiss du. Dass da mehr gespielt wurde, und weniger die Produktion im Vordergrund stand. Und irgendwie ging es mir mehr darum, die ganz grundlegenden musikalischen Elemente zu nutzen, die man braucht.

Frank: Rhythmus, z. B. der Rhythmus ist ein wichtiger Part.
Heather: Ja, du hast Recht. Wir benutzen mehr den Groove, den Bass und solche Sachen. Manchmal geht es eben auch darum, den Song einfach zu reduzieren, zu entleeren, ihn transparenter zu machen. Denn wenn du aufnimmst, neigst du oft dazu eine musikalische Schicht auf die andere zu legen.

Frank: Stimmt. Und dann kann man es anschließend nicht mehr live spielen.
Heather: Ja, und ich denke auch, dass all diese Aufnahmespuren, diese Schichten, den Song an sich eher überdecken. Dabei geht es aber doch um den Song.

Frank: Klar. Und wie viele Bands spielen live viel besser als auf der LP, weil es auf der LP überproduziert war? Und live hörst du dann: Hey, das ist gut!
Heather: Ja. Es ist eben oft auch der Sound anderer Leute; z. B. des Produzenten… Und genau das ist, was auch mit mir passierte. Ich habe dann irgendwann angefangen zu realisieren, dass ich meine Live-Aufnahmen lieber mag als meine Studio- Alben.

Frank: Ja, ich auch. Das erste Album, das ich hörte, war „Wonderlust“, glaube ich, es ist ein Livealbum. Das war das Erste, was ich von Dir hörte und ich war…I
Heather: Du mochtest es.

Frank: Ja, ich mochte es.
Heather: ok.

Heinz: Live ist der Sound doch zuweilen sehr hart (Anmerkung: z.B. Sugar) , vielleicht liegt es an der zweiten Gitarre (Anmerkung: eigentlich dritten Gitarre, nämlich Will Foster’s Rickenbacker). Das Studioalbum ist dagegen überhaupt nicht hart.
Stichwort Rammstein.
Heather: Oh, Rammstein, ja.

Heinz: Wirst Du es heute abend spielen? Sugar mit Rammstein-Zitat? (Anmerkung: Sie hat es gespielt!)
Heather: Vielleicht, es macht ziemlich Spaß, das zu tun.

Heinz: Was brachte dich dazu, ein Rammstein-Zitat zu verwenden? (beide lachen).
Heather: Eigentlich dachte ich, es wäre ziemlich lustig, weisst du? Ich mag es, ein Cover oder ein Stück eines Covers zu spielen, womit man nicht gerechnet hat.

Heinz: Ich kenne Rammstein nicht wirklich. Sie haben nur einen Hit oder?.
Heather: Genau.

Heinz: Engel oder so ähnlich.
Heather: Es ist schön zu ..Weisst du, wenn du eine andere Interpretation von Songs machst, ist es schön, wenn du was ganz anderes nimmst.

Frank: Ich hoffe, dass du das mit den Songs von Rammstein machst.
Heather: Du hoffst das? Alles klar.

Frank: Ja.
Heather: In Ordnung, es ist kein ganzer Song, wir spielen nur ein kleines Stück.

Heinz: Etwa zwanzig Sekunden.
Heather: Ja.

Mitarbeiterin von Colibri: Meine Frage ist: Ich mag deine Musik sehr und freue mich darauf, dich heute auf der Bühne zu sehen und ich weiss, dass du in den letzten Monaten auf vielen Bühnen gespielt hast. Macht es immer Spaß, zu spielen oder gibt es Tage, wo du sagst: nicht jetzt!
Heather: Es gibt Tage, da fühle ich mich müde oder ich fühle mich nicht danach, Tausenden von Leuten gegenüberzutreten. Aber was irgendwie toll an der Musik ist, ist, wenn du einmal da draussen bist, und du anfängst die Musik zu spielen, ist es ein wie….es springt über und gibt dir Energie, und so genieße ich es immer, sobald ich angefangen habe. Manchmal ist es irgendwie verrückt zu singen…Und am Ende des Auftritts fühle ich mich viel besser.

Mitarbeiterin von Colibri: Danke.
Heinz: Da war dieses Gerücht, dass du ein Unplugged-Konzert für MTV geben wirst.
Heather: Ich glaube, das war ein Gerücht, welches die Fans in die Welt setzten.
Heinz: Ja, das war ein Missverständnis.
Heather: Ich denke daran, meine eigene akustische Platte zu machen.

Mitarbeiterin von Colibri: Wärst du daran interessiert, dieses Unplugged-Ding für MTV zu machen?
Heather: Vielleicht, wenn sie mich fragen würden, sicher. Aber ich würde gerne mein eigenes Ding machen.

Frank: dann bist du unabhängiger.
Heather: Ja.

Frank: Eine lange Frage. Du machst sehr gefühlvolle Musik, glaubst du der Mensch und die Welt wäre besser, wenn der Mensch emotional ist oder denkst du, die Leute sollten mehr ihren Kopf benutzen?
Heather: Ich denke, man muss die Balance finden, darum dreht sich alles. Ich denke, dass es gefährlich ist, wenn eine Sache überhand gewinnt, weisst du. Wenn du nur deinen Verstand oder nur deine Gefühle einsetzt, musst du irgendwie … Ich denke, die Leute tendieren häufig dazu, ihre Emotionen zu unterdrücken, und erlauben sich nicht, sie zu fühlen. Ich glaube, Musik ist dafür ideal geeignet, weil sie alles an die Oberfläche bringt und du dann damit in Berührung kommen kannst.

Frank: Ja, während des Musikhörens einfach ein wenig die Erziehung vergessen.
Heather: Ja, zurück zum Ursprünglichen, schließlich…

Frank: Zu den Wurzeln.
Heather: Genau, zu den Wurzeln.

Heinz: Wann können wir „The Sorrowjoy“ in Deutschland oder im Internet käuflich erwerben?
Heather: Man kann es nur im Internet kaufen und die Seite ist „thesorrowjoy.com“ und sie sollte in ein paar Tagen funktionieren, hoffe ich. Du kannst es mit deiner Kreditkarte kaufen, und das ist alles.

Mitarbeiterin von Colibri: Eine letzte Frage: Was ist mit deinem Label? Wir haben gehört, dass die Zusammenarbeit beendet ist.
Heather: Ja, ich habe mein Label verlassen.

Mitarbeiterin von Colibri: Und hast du schon ein neues?
Heather: Nein, zur Zeit nicht. Ich rede mit verschiedenen Leuten aber ich möchte mir wirklich Zeit nehmen, das richtige Label zu finden.

Mitarbeiterin von Colibri: War der Grund, dass ihr nicht zusammengepasst habt?
Heather: Ja, ich war bei einem Label in England unter Vertrag. Dort gibt es bekannterweise viele Schwierigkeiten. Es ist sehr kompliziert, es ist langweilig und kompliziert und nicht wirklich wichtig. (lacht)

Mitarbeiterin von Colibri: Alles klar, danke.

Frank: Vielen Dank. Kannst Du Vanessa auf diesem Tape Grüße bestellen? Vanessa ist ein großer Fan von Dir. Sie schreibt in unserer Zeitung.
Heather: Hi Vanessa, wie geht’s Dir? Hier spricht Heather Nova und ich hoffe, du hast einen schönen Tag.

Frank: Vielen Dank.
Heinz: Und hier ist die CD, es ist nur eine Kopie!
Heather: Thanks, ok!

An dieser Stelle möchten wir uns bei allen bedanken, die uns bei der Übersetzung des Interviews geholfen haben:

Julia Göllnitz
Andreas Brillisauer
Anna Kalbiltzer
Lothar Trampert

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