Kapitel 5

Heather Nova: Let’s Sail Away

Das exzentrische Leben einer Außenseiterin auf der Suche nach ihrem Hippie-Traum
von Manhard Schlifni

Storm und weitere Aktivitäten

Storm
Die Aufnahmen zum Storm-Album beginnen im Sommer 2002 auf den Bermudas, werden in den Allaire Studios in mehreren tausend Metern Höhe auf einem Berg bei Woodstock vervollständigt, wo während dieser Zeit täglich zwischen 15 und 60 Zentimeter Schnee fallen, schließlich in Manhattan im Frühling 2003 abgemischt.

Beim Hören von persönlichen Lieblingsalben kommt Heather im Jahre 2002 auf den Gedanken, ihre Songs in Kooperation mit anderen Künstlern sowohl als Koproduzenten als auch Musiker weiterzuentwickeln. Der träumerische Sound, den Mercury Rev auf bestimmten Alben vermittelt, wirkt für die Künstlerin anregend.

Sie trifft diese Band bereits im Sommer 2002 auf ihrer Europatour, die schon unter dem Management des Labels Big Cat Records, ein Album aufgenommen hatten. Daraus entsteht die Idee der künstlerischen Kooperation – ohne das Hindernis von Vertragsklauseln, die solche Initiativen verhindern können und ohne Gewinnerwartung durch Labels zu berücksichtigen. Sie wird während der Aufnahmen von den Mercury Rev Musikern Grasshopper, Jonathan, Jeff und Anthony begleitet (Heather Nova, 2003a).

Mercury Rev schaffen für die Aufnahmen eine Atmosphäre, in der Flow-Zustände entstehen können, wirken bei der Produktion unter den Namen „Divine Sparks“ mit und spielen außer bei den zwei folgenden Songs bei allen Stücken mit. Das Lied „Storm“ ist eine Solo-Akustik-Nummer von Heather und bei „Everytime“ spielt der Gitarrist der Patti Smith Group, Lenny Kaye, den Guitar-Part.

Laut Heather können die Songs auf dem neuen Album in zwei Kategorien eingeordnet werden. Solche, die primär eine Geschichte erzählen, wie „Fool For You“ und „One Day In June“, und solche wie „Aquamarine“, welche eine Textur darstellen, worunter sie Landschaften und Augenblicke im Fluss der Zeit versteht. Die Musikerin behauptet, wenn sie eine Zusammenfassung des Albums geben sollte, würde sie sagen, es handelt von Versuchung, Verlangen und Schuld. Mit dem Albumtitel „Storm“ assoziiert sie u.a. ein Verlangen, Situationen zum Verstand (menschliche Fähigkeit des Denkens und Urteilens) zu bringen, oft gerade wenn dies aus emotionalen Ursachen am Schwierigsten erscheint, in der Hoffnung, dass Probleme gelöst werden können. Darüber hinaus empfindet sie eine Stimmung von Isolation, die durch die Musik und Lyrik bestimmter Lieder ausgedrückt werden soll. Der Titel „Storm“ erinnert in einem anderen Zusammenhang auch an die sich verändernden Wetterbedingungen während der Tage der Aufnahmen bis hin zu den Sturmzeiten.

Auf Storm präsentiert Heather Nova eine Sammlung von 11 Songs, die in die Kategorien Folk, Rock und Pop eingeteilt werden können, die sich durch aussagekräftige Lyrik und durch größtenteils unkomplexe melodiöse Arrangements, welche Mercury-Rev auf das Elementarste reduzierte, auszeichnen. Das Konzept des Albums stellt Heather ins Zentrum und lässt den Hörer an einer musikalischen Reise teilhaben, die ihre unterschiedlichen emotionalen Zustände spürbar macht.

Alle Songs basieren auf erlebten Ereignissen, dies sind Teile ihres Lebens, aber sie ist nicht wirklich daran interessiert der Öffentlichkeit detailliert zu erklären, was in der jeweiligen Beziehung passiert (Heather Nova, 2003a).

Am Beginn der etwa 40-minütigen „musikalischen Reise“ steht das Lied „Let’s not talk about love“, das wegen der Instrumentierung in Kombination mit Heathers heller Stimme das Eintreten in einen melancholischen Zustand ermöglicht, wo die Problematik einer Art von Liebe, die sie nicht verstehen kann und worüber sie keine Gespräche führen will im Vordergrund steht.

Es gelingt der Künstlerin, persönliche Empfindungen für den Hörer in eine attraktive Songkollektion zu transformieren. Sei es beim sphärischen „Drink it in“, mit eingesetzten Pianoklängen, beim psychedelischen „Aquamarine“, „One day in June“ mit der akustischen Gitarrenbegleitung und den Vocals, oder dem akustischen Solostück „Storm“.

Das Lied „Storm“ scheint die Atmosphäre einer Meeresumgebung zu reflektieren, wo Heather das näher kommen eines Sturmes wahrnimmt, während sie im Herzen einen Schmerz verspürt, doch dann wieder das Gefühl der Lebendigkeit erlangt. Naturverbundenheit, das Gefühl von Einsamkeit und ihr Nachdenken über die verlorenen Dinge in einer Beziehung sind Bestandteile des Songs.

Die Single-Auskoppelung „River Of Life“ (Sony Music Entertainment, 28.07.2003) bereichert das Album. Das musikalische Arrangement enthält u.a. Orgelklänge, ein Glockenspiel, eine eindrucksvolle Akkordfolge. Der Song ermöglicht je nach Stimmungslage das Eintauchen in Romantik, Melancholie bis hin zu Schmerzzuständen, die in Zusammenhang mit Liebesbeziehungen stehen. Das Lied vermittelt Sehnsüchte, unerfüllte Wünsche und ein Gefühl des Verlangens. Insbesondere möchte Heather ihren Freund eine lange Zeit in der Nacht bis zum Tagesanbruch halten oder umarmen.

„I wanna be your light“ ist ein stimmungsvoller Song von Schönheit und Helligkeit, in dem Heather einen Freund (oder den Rezipienten) auffordert, ihre Hände zu halten, auf den Sternenhimmel zu blicken und schließlich mit ihr zu tanzen. Im Refrain-Teil singt sie über die kosmische Phantasie, sein Licht zu werden und als Stern seinen Weg quer über die Milchstraße zu erhellen.

Der Song „Aquamarine“ (lateinisch aqua: Wasser; marina: Meer; „Meerwasser“) ergibt zunächst eine Vorstellungsverknüpfung mit den glitzernden Aquamarin-Farben Blau bis Meer-Grün. Das Stück lässt den Höher in der Imagination eindrucksvoll erleben, wie die Musik sich aus bloßen akustischen Schwingungen zu Meerwasser verwandelt und den Sound zu einen körperlich spürbaren Ereignis macht. Mit Aquamarine assoziiert die Sängerin weiters einen „erotisch-attraktiven kleinen“ Tagtraum.

Mit „That’s all I need“ will Heather zeigen, dass Liebe, Respekt und Freude alles ist, was sie in einer Beziehung sucht. Sie möchte weder Geld noch ein Partner, der die ganze Zeit bei ihr bleibt, sondern in den Worten der Poetin ausgedrückt, „ein Herz, das mit ihrem schlägt“.

Die CD endet mit dem Stück „Fool For You“, das die Geschichte von einem Menschen erzählt, der zufällig in ihr Leben kam und aus dieser Situation entstand eine Beziehung. Heather öffnet das Herz und sieht sich wegen der Zuneigung gegenüber dieser Person als Närrin.

Am 25.08.2003 wird das neue Album „Storm“ in Deutschland veröffentlicht (Sony Music Entertainment).

Die Festivals und die Storm-Tour (2003)

Nach der Sommer-Festival-Tour (2003) stellt die Songwriterin im Rahmen der „Acoustic Evenings“ die neue CD vor. Auf der Tour wird sie als Gitarristin und Sängerin von Glen Scott (key., backing vocals), Luke Bullen (drums, percussion) und Matt Round (bass) begleitet.

Nachdem die Singer/Songwriterin jahrelang eine schwarze Fender „Telecaster Acoustic-Electric“ Gitarre (auf die sie einen weißen Sticker mit einen Katzenkopf-Motiv geklebt hatte) auftrat, spielte sie im Jahre 1999 mit einer Gitarre mit goldenem Farbton. Als akustische Gitarre benützt sie bevorzugt eine Taylor-Gitarre mit dem „She“-Guevara-Sticker. Seit den Konzerten im Juni 2003 spielt sie zudem erstmalig ein Q-Chord-Instrument. (siehe unter FAQ bei www.heathernova.de)

Sebastian

Heather Nova bricht die noch ausstehenden Support-Acts am Ende der Storm-Tour im Herbst 2004 in Frankreich krankheitsbedingt ab und zieht sich auf die Bermudas zurück, um einen Sohn zur Welt bringen und neue Songs zu schreiben. Ihr erstes Baby, Sebastian, kommt am Montag, 26. Januar 2004 im King Edward’s Hospital in Bermuda zur Welt (siehe unter NEWS bei www.heathernova.de).

Union Chapel – erste Live CD

Am 28. Juni 2004 wird eine Live-DVD veröffentlicht, die im vergangenen Jahr in der Londoner Union Chapel im Rahmen der Acoustic-Tour „An acoustic evening with Heather Nova“ aufgezeichnet wurde (Lamers, 2004). Sie enthält die folgenden Songs sowie eine Diashow: Let’s Not Talk About Love, I Wanna Be Your Light, One Day In June, You Left Me A Song, All I Need, Drink It In, Fool For You, River Of Life, Storm, New Love (Performed Backstage), Every Time (Performed Backstage), Drink It In (Music Video), River Of Life (Music Video), Photographs (Diashow, Heather Nova with The Divine Sparks).

Nach einer Pause setzt die Künstlerin mit Band am 29. Juni 2004 in München die Storm-Tour in Europa fort.

Kapitel 6: Heather und Naturschutz – Sounds for Nature

© 2004 by Manhard Schlifn

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