Kapitel 4

Heather Nova: Let’s Sail Away

Das exzentrische Leben einer Außenseiterin auf der Suche nach ihrem Hippie-Traum
von Manhard Schlifni

South und The Sorrowjoy

South
Schließlich beginnt Heather mit Band und Produzenten Felix Tod an den Demos für das neue Album „South“ in einem „strandhäuschenartigen“ Mini-Studio auf den Bermudas zu arbeiten. Dabei spielt die Umgebung des Aufnahmeraumes eine tragende Rolle für das Album, denn dadurch sei eine entspannte und harmonische Stimmung entstanden, wobei die Wärme und Einfachheit auf den Aufnahmen spürbar seien. In den nächsten Monaten arbeitet sie mit weiteren Musikern. So nimmt Heather „Like Lovers Do“ mit Eve Nelson in New York auf und verleiht den Demos zusammen mit Bryan Adams in London den letzten Schliff. Nebenbei ergibt sich auch eine Kooperation mit Peter Kvint und Simon Nordberg, woraus der Track „Heaven Sent“ hervorgeht. Ihr nächster Trip führt sie nach L.A., wo Paul Fox sich am sozialkritischen Song „Virus of the Mind“ beteiligt. Um in „South“ zusätzliche Stilvariationen zu integrieren, bittet Heather „Bassy“ Bob Brockman an ihre Seite, der mit seinen Mix-Erfolgen für HipHop-Künstler wie Biggie Smalls oder als Mitglied der Brooklyn Funk Essentials an Popularität gewann. Die zweite Single „I’m no angel“ wird in wenigen Stunden produziert und ist das Resultat kooperativen Liederschreibens unter Mitwirkung von Felix Tod, Bernard Butler und Heather Nova.

Die auf Hitparadentauglichkeit getrimmte Single „Virus of the Mind“ will ihr Außenseiterdasein sowie ihre Entfremdung von der Gesellschaft portraitieren. Heather hat mit den Eltern ein ungewöhnliches und unkonventionelles Leben geführt und wurde dafür von vielen Leuten in der konservativen Gegend der Bermudas stark verurteilt. Heather verfolgt einen von den Normen abweichenden, alternativen Lebensstil, und versucht ein Leben zu führen, das außerhalb der „Synchronität“ moderner Gesellschaften liegt. Ihr ganzes Leben lang hatte sie das Gefühl, nicht dazuzugehören, seit ihrer Kindheit bis zum heutigen Tag.

Virus of the Mind ist auch ein Song über den subtilen Druck auf Outsider, der von der Gesellschaft auf unterschiedliche Art und Weise ausgelöst werden kann, wenn die Betroffenen nicht den vorherrschenden Normen entsprechen.

Das Stück konstatiert ferner die Problematik von Manipulationsprozessen via Massenmedien (z.B. Werbung), wodurch das Individuum verleitet wird, Güter und Dienstleistungen zu kaufen, Werten und Idealen entsprechen zu müssen, die es weder braucht noch will.

Heather Nova möchte dagegen durch den Song bewusst machen, dass das Individuum für sich selbst denken soll, um die eigene Wahrheit zu finden. Der sogenannte „Virus of the Mind“ könne verhindert werden, indem man den eigenen Gefühlen und Instinkten folgt – das sei die richtige Art zu leben, und davon handelt der Song.

„Help me be good to you“ entsteht als Heather im Lichte des späten Nachmittags am Ufer sitzt und sich dem Augenblick einer stimmungsvollen Inspiration hingibt.

„Only Love“ ist ein Stück über das Wesen der Liebe und über die Hoffnung von Heather Nova, nur die Kunst des Liebens zu erlernen – „hoping to learn only love“. Liebe ist auch die einzige erfüllende Antwort auf das Problem der menschlichen Existenz: Zwar ist das Individuum eigenständig und kann selbst entscheiden, aber es ist auch allein und im Innersten abgetrennt von anderen Menschen. Eine wahre Möglichkeit zur Überwindung der Einsamkeit und des Getrenntseins ist die Liebe, die aus Wahrhaftigkeit, Ehrlichkeit, Fürsorge, Verantwortungsgefühl, Achtung der Persönlichkeit und Bemühung um Erkenntnis des/gegenüber dem anderen besteht.

„If I saw you in a movie“ vermittelt die Problematik der Idealisierung von Idolen (insbesondere von Filmstars) durch Fans. Das Stück zeigt, dass die Star-Fan-Beziehung von virtueller Art ist, die zu einer Entfremdung der Erfüllung des Glücks führen kann, da eine Illusion verehrt wird. Speziell will das Stück ein Bewusstsein dafür schaffen, dass Schauspieler als öffentliche Personen nur Charaktere in Filmen spielen, die mit der privaten Person nicht notwendigerweise in Zusammenhang stehen. Der einzelne sollte sich dieser Illusionen und den damit verbunden „künstlichen“ Bedürfnissen (z.B. Zuneigung zum Filmstar) bewusst werden. Dagegen sind die sozialen Beziehungen des täglichen Lebens diejenigen, die es zu entwickeln und zu entfalten gilt.

Den Unterschied zwischen Traum und Realität will das Lied „Just been born“ durch Erschaffung einer virtuellen ozeanischen Umgebung auflösen, um damit die Atmosphäre zu schaffen, in der sich der/die HörerIn verlieren kann.

South lässt sich auch als musikalische Reise zu Heather Nova’s Wurzeln nach Bermuda interpretieren und vermittelt eher ein Gefühl, denn ein rationales Konzept. Das Album will die harmonische Atmosphäre der Karibik in den Vordergrund stellen, erhielt aber auch einige Kritiken hinsichtlich der Oberflächlichkeit der Lyrik und der Arrangements sowie seiner kommerziellen Orientierung.

Nach der Veröffentlichung ihres vierten Albums, „South“ (V2, Zomba, Sony), am 24. September 2001, geht Heather wieder mit nachstehender Band „On the road“: Berit Fridahl (Guitar, backing vocals), Will Foster (Keyboard, Guitar), Laurie Jenkins: (Drums, backing vocals), Pascal Glanville (Bass).

Aus dem neuen Album werden zwei Singles ausgekoppelt: „I’m no Angel“ (27.08.2001, V2, Zomba) und später „Virus of the Mind“ (19.11.2001, V2, Zomba).

Heather Nova vertritt im Rahmen ihrer South-Promotion auch die Lebensphilosophie, dass das Geheimnis des Glücks darin besteht, die Fähigkeit des Staunens nicht zu verlieren, sich auf Dankbarkeit zu besinnen, und die Erkenntnis hochzuhalten, dass die eigene Vision die richtige ist.

Im März 2002 publiziert Heather Nova auch ein kleines Gedichtbuch namens „The Sorrowjoy“ mit 15 Zeichnungen und 45 Gedichten, an dem sie schon mehrere Jahre arbeitete.

Kapitel 5: Storm und weitere Aktivitäten

© 2004 by Manhard Schlifni

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